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Pferderatgeber

Die Führanlage - das Trainingsinstrument für kontrollierte Bewegungen

Was ist eine Führanlage?

Sportlich orientierte Reiter und ambitionierte Freizeitreiter greifen beim Training ihrer Pferde gerne auf die Führanlage zurück. Sie erlaubt es, das Pferd kontrolliert zu bewegen, ohne dass sein Rücken durch das Reitergewicht belastet wird. Vor allem zum Muskelaufbau nach einer längeren Trainingspause und für regelmäßiges Konditionstraining sind Führanlagen sinnvoll. Die Geschwindigkeit kann in der Regel stufenlos eingestellt werden, um die gewünschte Gangart Schritt oder Trab zu erzielen.

Begriffsdefinition Führanlage

Eine Führanlage ist eine kreisrunde oder ovale Bahn, die beidseitig begrenzt ist und mehrere durch Treibgitter abgeteilte Segmente hat. Kreisrunde Anlagen haben üblicherweise einen Radius von 9 Metern oder mehr mit einem Fassungsvermögen von 6 Pferden. Kleinere Anlagen haben sich als wirtschaftlich ungeeignet erwiesen, da hierin aufgrund der Fliehkräfte bei höheren Geschwindigkeiten lediglich Schritttraining gemacht werden kann. An den Bodenbelag werden ähnliche Anforderungen gestellt wie in einem Paddock, er sollte also rutschfest und elastisch sein. Gummimatten, Beton und Hackschnitzel (in überdachten Anlagen) sind üblich. Das Führungssystem für die Treibgitter kann am Boden oder an der Decke der Anlage angebracht sein. Systeme mit einem zentralen Fuß in der Mitte der Anlage führen die Trenngitter über einzelne radial verlaufende Arme, können aber nur für kreisrunde Führanlagen verwendet werden. Bei Deckenführanlagen und Gleitschienenführanlagen ist die gesamte Führtechnik in überdachten Anlagen unterhalb der Decke angebracht. So ist der Innenraum als Round-Pen oder Lagerraum nutzbar.

Umzäunung und Überdachung der Führanlage

An die Umzäunung der Führanlage werden die gleichen Anforderungen gestellt, wie an eine Paddockbegrenzung. Die Wände sollten so gestaltet sein, dass die Pferde sich beim Vorbeilaufen nicht verletzen können. Gut geeignet sind gemauerte Wände oder Holzwände wie bei Pferdeboxen. Eiserne Weidepanels sind ebenfalls eine praktische Alternative. Spitze Ecken und scharfe Kanten sollten vermieden werden. Die Mindestbreite der Laufbahn sind zwei Meter, damit die Pferde sich bei Richtungswechseln problemlos umdrehen können. Eine Überdachung, die vor Wettereinflüssen schützt ist grundsätzlich sinnvoll, muss aber in einer Kosten-Nutzen-Abschätzung abgewogen werden. Teilüberdachte Anlagen haben ein Dach über der Lauffläche und eine kreisrunde Aussparung über dem Mittelteil.

Weitere Anforderungen an die Führanlage

Wichtigster Bestandteil der Führanlage ist die Führtechnik. Die Pferde sind entweder am Trenngitter angebunden oder laufen frei in ihrem jeweiligen Segment. Da bei beiden Varianten der verfügbare Platz pro Pferd sehr eingeschränkt ist, sollten sich die Treibgitter in gleichmäßigem Tempo auf der Kreisbahn bewegen. Der Richtungswechsel sollte im Idealfall nach Ablauf eines definierten Zeitintervalls automatisch erfolgen, damit die Pferde auf beiden Händen gleichmäßig bewegt werden. Dabei darf der Wechsel nur langsam und stetig erfolgen, damit den Pferden genügend Zeit zum Handwechsel bleibt.

Pflege der Führanlage

Die regelmäßige Pflege einer Führanlage ist aus hygienischen, technischen und sicherheitsrelevanten Aspekten vorgesehen. Die beweglichen Teile sollten in festgelegten Intervallen auf Freigängigkeit geprüft und die jeweiligen Scharniere geölt werden. Die seitlichen Begrenzungen des Laufweges sind einer Prüfung auf Beschädigungen zu unterziehen, damit potenziell gefährliche Stellen unverzüglich erkannt und beseitigt werden können, beispielsweise Absplitterungen im Holz, hervorstehende Nägel und Schrauben oder durch Pferdetritte verursachte Schäden. Pferdeäpfel sollten nach jeder Benutzung eingesammelt werden und dabei die Ebenheit überprüft werden.

Pferde an die Führanlage gewöhnen

In einer Führanlage wirken verschiedene Einflüsse auf ein Pferd. Einerseits fühlt es sich aufgrund seiner Natur als Fluchttier in engen Räumen grundsätzlich eher unwohl. Andererseits können die Geräusche der Führmechanik das Pferd verunsichern. Im ersten Schritt erfolgt also die Gewöhnung an die Geräusche der Führmaschine im Betrieb, während das Pferd außerhalb wartet. Parallel dazu kann geübt werden, die Führanlage zusammen mit dem Pferd zu betreten und wieder zu verlassen. Erst wenn das Pferd diese beiden Teilaufgaben souverän meistert, kann es in ein Segment der Anlage gebracht und eine Runde geführt während ein Helfer die Treibgitter in angepasstem Tempo mitlaufen lässt. Nach und nach lernt das Pferd hierbei, dem Treibgitter zu folgen beziehungsweise dem nachfolgenden Gitter zu weichen. Nachdem es dieses Prinzip verstanden hat, ist die Gewöhnung abgeschlossen und es kann mit dem Training begonnen werden.

 

Pferde mit Führanlage trainieren

Die meisten Muskelgruppen werden im Schritt und im Galopp trainiert. Da die meisten Führanlagen für Galopp zu eng sind, wird daher in der Regel überwiegend im fleißigen Schritt trainiert. Dies ist auch das Mittel der Wahl, um nach längeren Trainingspausen den Muskelaufbau zu fördern. Zum Konditionstraining sind lange Trabeinheiten am effektivsten. Es wird mit einer kurzen Aufwärmphase im zügigen Schritt begonnen, dann der längste Anteil im fleißigen Trab und abschließend wiederum eine Schrittphase eingelegt. Um ein Pferd vor dem Reiten aufzuwärmen wird zunächst im Schritt, dann im Trab gearbeitet. Als Trockenphase nach dem Reiten zunächst im Trab und dann im Schritt. Das Training in der Führanlage dauert in der Regel bei allen genannten Varianten nicht länger als 30 Minuten am Stück.

 

   

 

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