Pferderatgeber
Der Reitstock - strafende, treibende und verwahrende Hilfe für den Reiter
Gerten stellen eine Verlängerung der Schenkel dar. (Einfach klicken zum Vergrößern!)
Das Repertoire an Hilfen ist mit Zügelhilfen, Schenkelhilfen und Gewicht rasch erschöpft. Eine Reitgerte ermöglicht Ihnen weitere Optionen, um vorwärts treibende, seitwärtsweisende oder rückwärtsweisende Hilfen zu geben. Gerten dienen als Verlängerung des Schenkels und sollten eine Hilfe sein, das Pferd in bestimmten Körperregionen mehr zu aktivieren oder aufmerksam zu machen. Durch den Einsatz einer Reitgerte soll nicht generell ein schnellerer Gang des Tieres erreicht werden. Das Pferd soll sich eher versammeln, weshalb es sich anbietet, es im Takt zu touchieren. Dadurch wird die Aktivität der Hinterhand erhalten. In der hohen Reitkunst schließlich werden Touchiergerten verwendet, um anspruchsvolle Lektionen wie Piaffe und Passage einzuüben. Entscheidend für den Erfolg sind einerseits die Auswahl der richtigen Reitgerte und andererseits das geübte Handling. Viele Reiter haben ein größeres Repertoire an Gerten in verschiedenen Längen, welche für verschiedene Zwecke genutzt werden können. Hierfür bietet sich ein Gertenhalter an, an welchem die Reitgerten befestigt werden und die lästige Sucherei entfällt.
Zweck der Reitgerte
Der typische Jockeysitz im Rennsport macht die treibende Schenkelhilfe unwirksam, daher wird hier neben Wortkommandos ersatzweise eine kurze Peitsche verwendet. Auch vor der Kutsche dient die Peitsche vor allem dem Zweck, die Pferde schneller voran zu treiben. Die Reitgerte hingegen dient nicht nur als treibende Hilfe, sondern wird vor allem als Unterstützung eingesetzt, um präzisere Hilfen geben zu können.
Reitgerten für Englischreiter
Die Springgerte wird an der Schulter oder hinter dem Schenkel des Reiters eingesetzt.
Im Bereich des englischen Pferdesports sind verschiedene Varianten möglich, je nach dem welches Ziel erreicht werden soll. Eine Dressurgerte ermöglicht dem Reiter einen korrekten Sitz beizubehalten und nur durch eine leichte Handbewegung die zusätzliche Hilfe auszulösen. Hierfür benötigt er eine Dressurgerte, die bis an die Flanke des Pferdes reicht und dünn, sowie leicht elastisch ist. Bei der Bodenarbeit hingegen kann die Gerte noch länger sein, aber weniger elastisch. Die längste Gerte wird bei der Bodenarbeit auf dem Zirkel benötigt, nämlich eine Longierpeitsche mit einer Länge von etwa 2 Metern. In Verbindung mit einem ausgestreckten Arm und der ebenfalls 2 Meter langen Schnur kann so ein Radius von bis zu 5 Metern erreicht werden. Das Gegenstück hierzu sind Springgerten, die in der Regel starr sind und mit ihrem breiten Ende ein lautes Klatschen verursachen. Das erhöht die Aufmerksamkeit des Pferdes und kann an der Schulter eingesetzt ein Ausbrechen des Pferdes vor dem Sprung verhindern.
Reitgerten für andere Pferdesportarten
Westernreiter können auf den Gebrauch von Reitgerten vollständig verzichten. Sie setzen zumeist ihre ledernen Zügelenden als zusätzliche Hilfen ein. Im Rennsport werden häufig Springgerten oder kurze Dressurgerten eingesetzt, um die Motivation der Pferde zu erhöhen und sie zu schnellerem Laufen zu animieren. Beim Voltigieren wird das Pferd von einer Hilfsperson auf dem Zirkel longiert. Hierzu wird eine Longierpeitsche eingesetzt, deren Position niedrig, mittel oder hoch über dem Boden das Signal für die gewünschte Geschwindigkeit Schritt, Trab oder Galopp darstellt.
Kriterien für die Auswahl einer geeigneten Reitgerte
Die Dressurgerte wird zur Hilfengebung impulsartig eingesetzt.
Die Dressurgerte als unterstützende Hilfe sollte eine Länge von etwa 1,10 bis 1,20 Metern haben. Eine zu weiche Gerte schwingt stark und kann unbeabsichtigt die Flanke touchieren. Eine zu starre Gerte erfordert bei der Hilfengebung eine zu große Handbewegung des Reiters, was in einer unruhigen Zügelführung resultiert. Länge und Elastizität hängen von der Anatomie des Pferdes und des Reiters ab. Daher empfiehlt es sich, verschiedene Gerten auszuprobieren. Springgerten hingegen sollten nicht länger als 75 cm sein, sie werden an der Schulter des Pferdes eingesetzt. Diese Art ist auch für Geländeritte vorzuziehen.
Hilfengebung mit der Reitgerte
Eine Springgerte wird am Griff gut festgehalten und bei Bedarf an der Schulter oder gelegentlich hinter dem Schenkel des Reiters eingesetzt, um den Gehorsam des Pferdes zu verbessern. Sie wird auf der Seite gehalten, die entweder dem Reiter angenehmer ist, oder dort wohin das Pferd vor dem Sprung häufiger ausbricht. Der Einsatz einer Dressurgerte ist im Vergleich deutlich aufwändiger. Sie wird nicht am Griff, sondern ein kleines Stück darunter im Balancepunkt gefasst. Damit sie nicht an der Reitplatzbegrenzung schleift, wird die Dressurgerte jeweils auf der Innenseite gehalten und bei jedem Handwechsel auch die Dressurgerte auf die andere Seite gewechselt. Zur Hilfengebung wird die Dressurgerte impulsartig eingesetzt, um bestimmte Abläufe zu verfeinern. Ständiger Einsatz stumpft das Pferd ab. Feinfühlig und mit Respekt eingesetzt kann die Reitgerte den Lernprozess beschleunigen.
Richtiges Antrainieren der Reitgerte
Beim Kutschfahren werden die Pferde mit der Peitsche angetrieben.
Bevor die Reitgerte zum ersten Mal eingesetzt werden kann, solltest Du Dein Pferd mit dem neuen Gegenstand vertraut machen. In Bodenarbeit berührst Du Dein Pferd leicht mit der Dressurgerte und belohne es ruhig wenn es stehen bleibt. Erst im nächsten Schritt lehrst Du Deinem Pferd die Bedeutung der Reitgerte. Hier sollte mit leichten Berührungen begonnen werden und eine Belohnung erfolgen, sobald das Pferd eine Reaktion auf das Touchieren zeigt. Ein Antippen an der Schulter und an der Flanke bedeutet seitliches Weichen, während Antippen an der Kruppe eine treibende Hilfe darstellt. Antippen an der Brust wird üblicherweise zum Rückwärtsrichten verwendet. Hat Dein Pferd verstanden, wie die Hilfengebung mit der Dressurgerte gemeint ist, dann kannst Du diese nun auch beim Reiten verwenden.
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