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Motorrad-Ratgeber

Motorradreifen: Reifenpflege ist das A und O für eine sichere Fahrt

Bild Motorradreifen mit Profiltiefenmesser Damit Du immer sicher auf den Straßen bist solltest Du regelmäßig Dein Reifendruck kontrollieren. (Einfach klicken zum Vergrößern)

Eine sichere Fahrt auf dem Motorrad wird maßgeblich vom Zustand der Reifen beeinflusst. Der Motorradreifen stellt die einzige Verbindung zwischen dem Fahrzeug und dem Untergrund dar - entsprechend hoch ist die Bedeutung der Pneus für die Fahrsicherheit. Bei einem Motorrad gilt dieser Aspekt in besonderem Maße; Fahrer von Zweirädern sind auf eine ausgezeichnete Haftung angewiesen. Damit diese ihre sicherheitsrelevanten Eigenschaften voll entfalten können, muss der Luftdruck stimmen. Motorradfahrer sollten deshalb regelmäßig den Reifendruck messen. Was Du beim Reifenwechsel beachten solltest und worauf Du außerdem noch achten musst, kannst Du im nachfolgenden Ratgeber nachlesen.

Kontinuierliche Kontrolle des Reifendrucks ist ein absolutes Muss

Der Reifendruck beeinflusst gleichermaßen Fahrkomfort wie auch Fahrsicherheit. Der Dekra-Verkehrssicherheitsreport 2010 führt Reifenmängel als Hauptursache der in den untersuchten Jahren 2002 bis 2009 unfallbeteiligten Motorräder an. Zu den häufigsten Mängeln, die nachweislich zu Unfällen führten, gehören dabei speziell ein falscher Reifendruck und eine unzureichende Profiltiefe.

Experten empfehlen, den Luftdruck mindestens einmal im Monat zu messen, ideal sind alle zwei Wochen. Achtung: Messe den Luftdruck immer an kalten Reifen (maximal „handwarm“, d. h. 30 Grad Celsius). Die Höhe des Luftdrucks kann sich dabei von Modell zu Modell unterscheiden; den richtigen Wert entnimmst Du dem zum Fahrzeug gehörigen Handbuch. Bei vielen Straßenmotorrädern liegt der Wert vorn bei 2,25 bis 2,5 bar und hinten zwischen 2,5 und 2,9 bar. Hier gilt es beispielsweise zwischen leer und voll beladenen Bikes zu differenzieren. Alternativ erhälst Du solche Angaben direkt beim Hersteller. Wer eine längere Motorradtour plant, sollte den Luftdruck in Abhängigkeit des zusätzlichen Gewichts anpassen. Faustregel: 0,2 bar über der Norm sind besser als zu wenig. Selbiges gilt für Fahrten auf der Autobahn, da Du hier mit einer höheren Geschwindigkeit unterwegs bist. Eine Erhöhung des Luftdrucks wird insbesondere dann vonnöten, wenn ein Beifahrer mitfährt oder Du zusätzliches Gepäck transportierst.

Reifenprofiltiefe überprüfen

Neben dem Luftdruck muss auch die Profiltiefe der Reifen stimmen, ist diese doch wesentlich für eine optimale Bodenhaftung bei jeglichen Witterungsbedingungen. Der Gesetzgeber schreibt 1,6 Millimeter vor. Vermeide (um Deiner Sicherheit willen) die Ausreizung dieser Grenze und tausche die Pneus spätestens bei zwei verbleibenden Millimetern aus. Wer unter der gesetzlich manifestierten Grenze unterwegs ist, riskiert neben seiner Gesundheit hohe Bußstrafen sowie Punkte in Flensburg. Weiterführende Informationen zum Flensburger Punktesystem und den Neuerungen im Jahr 2014 erhälst Du hier.

Sprit sparen mittels optimalen Reifendrucks

Bild Hinterreifen eines Motorrads An fast allen Tankstellen hast Du ein Luftdruckgerät mit dem Du den Reifendruck anpassen kannst

Wer seine Reifen regelmäßig wartet, erzeugt einen positiven Effekt: Der richtige Reifendruck verringert den Rollwiderstand und spart Kraftstoff. Dagegen beschädigt ein schlecht abgestimmter Reifendruck auf Dauer die Reifen und verkürzt die Lebensdauer. Ist der Druck zu gering, kann sich der Gummi stark erwärmen. Ist der Druck wiederum zu hoch, bedingt dies eine ungleichmäßige Abnutzung. Die kontinuierliche Reifenkontrolle verrät Ihnen des Weiteren, ob die Reifen etwaige Schäden aufweisen.

Ist die Luft verhältnismäßig gering, kann dies auf ein defektes Ventil verweisen. Ein undichtes Ventil erkennst Du mit dem sogenannten „Spucketest“: Gebe eine Fingerspitze Speichel auf die Öffnung des Ventils und beobachten, was passiert. Wölbt sich die Spucke, ist das Ventil undicht und muss ausgewechselt werden. Verwende ausschließlich gut schließende Ventilkappen mit einwandfreier Gummidichtung. Stahlkappen sind wesentlich stabiler als Kappen aus Kunststoff. Aufgrund der wirkenden Fliehkräfte ist das Fahren mit aufgeschraubten Ventilkappen obligatorisch.

Lebensdauer von Reifen

Der Dekra-Report aus dem Jahr 2011 offenbarte weiterführend, dass rund zehn Prozent der untersuchten Reifen stark gealtert waren. 9,6 Prozent wiesen gefährliche Ozonrisse auf. Der natürliche Alterungsprozess kann auch durch regelmäßige Pflege nicht unterbunden werden. Der nagende Zahn der Zeit lässt den Gummi spröde werden. Die Ursache findet sich u. a. in den bei der Herstellung zugesetzten Stoffen, die den Reifengummi zunächst geschmeidig halten, deren Wirkung mit der Zeit aber nachlässt. Als maximales Alter für Reifen nennen viele Hersteller fünf bis sechs Jahre. Das Alter kannst Du an der in die Reifenseitenwand einvulkanisierten DOT-Nummer ablesen. Diese vierstellige Zahl verrät Produktionswoche und -jahr. Beispiel: Die DOT-Nummer 2104 verweist auf die 21. Produktionswoche des Jahres 2004. Äußere Einflüsse (permanente Sonneneinstrahlung etc.) können den Alterungsprozess selbstredend beschleunigen.

Ist die Reifenbindung strikt zu beachten?

Vor einigen Jahren war es noch üblich, dass Motorräder durch eine Reifenbindung eingeschränkt waren. In den Fahrzeugdokumenten fanden sich also nicht nur bestimmte Größen, sondern auch Hersteller und Reifentyp. Insbesondere bei älteren Maschinen ergeben sich daraus zwei Probleme: Zum einen sind die betagten Pneus häufig gar nicht mehr lieferbar, zum anderen konnten die Motorradfahrer in den letzten Jahren von den Fortschritten der Reifenindustrie profitieren - allerdings nur, wenn auch ein aktueller Reifen gekauft wurde. Üblicherweise lassen sich auch modernere Reifen montieren, Voraussetzung ist allerdings eine entsprechende Reifenfreigabe. Eine solche Reifenfreigabe wird vom Reifenhersteller für die jeweilige Maschine erteilt. Das Dokument sollte immer mitgeführt und bei der Hauptuntersuchung vorgelegt werden können.

Was beim Reifenaufziehen beachtet werden muss

Bild blaues Motorrad Reifen sollten immer ausgewuchtet sein, um störende Vibrationen zu vermeiden.

Ein weiteres Thema ist die sogenannte Mischbereifung. Sofern keine Reifenfabrikatsbindung besteht, dürfen unterschiedliche Reifentypen auf Vorder- und Hinterreifen verwendet werden - zu empfehlen ist dies allerdings nicht. Die Montage von Reifen sollte auch beim Motorrad grundsätzlich von Fachbetrieben vorgenommen werden. Mit einfachen Hilfsmitteln dürfte der Reifen ohnehin nicht von der Felge zu bekommen sein, zudem kann das Auswuchten in eigener Regie kaum vorgenommen werden. Das Auswuchten ist aber nicht nur für eine hohe Laufruhe ohne störende Vibrationen wichtig, sondern auch für eine lange Lebensdauer des Reifens. Im Umkehrschluss sorgen nicht ausgewuchtete Reifen für nervige Vibrationen, erhöhten Reifenverschleiß und eine Abnutzung der Fahrzeugaufhängung.

Beim Wechsel des Hinterreifens muss zudem auch die Spureinstellung kontrolliert werden. Damit ist gemeint, dass Vorder- und Hinterreifen in einer Flucht laufen müssen. Ein Spurversatz sorgt für ein verschlechtertes ein Lenkverhalten und eine verringerte Fahrstabilität. Zudem erhöht sich der Abrieb, weil die Reifen diese Abweichung kompensieren, indem sie auf der Straße "radieren".

In der Praxis zumeist kaum messbar aber dennoch vorhanden ist auch der Einfluss auf Kraftstoffverbrauch und Fahrleistungen. Die Einstellung der Spur kann auf verschiedenen Wegen erfolgen. Fachwerkstätten verwenden dafür entweder ein Lasermessgerät oder eine Fahrschiene, die exakt gerade ausgerichtet ist. Das Motorrad wird einfach in diese Fahrschiene gestellt; bei gerade gestellten Lenker lässt sich leicht erkennen, ob sich das Hinterrad in der richtigen Position befindet. Wenn Du über eine solche Schiene nicht verfügen, lohnt sich zumindest die Anschaffung einer ausreichend langen Latte. Auch mit dem Holzbalken ist eine hinreichend genaue Einstellung möglich. Du solltest dabei beachten, dass die Einstellung der Spur nicht nur nach einem Wechsel der Reifen, sondern auch nach einem Nachspann der Kette erfolgen sollte.

Motorradreifen richtig lagern

Wer regelmäßig mit seiner Maschine unterwegs ist, wird vor allem den Hinterreifen beim Erreichen der Mindestprofiltiefe von 1,6 mm wechseln müssen. Sofern nur geringe Laufleistungen erreicht werden, spielt durchaus die Reifenalterung eine Rolle. Bereits ab einem Alter von sechs Jahren können sich Alterungsrisse bilden, weil die Weichmacher aus den Reifen verschwinden. Dann ist nicht nur eine neue HU-Plakette fraglich, auch die Sicherheit ist gefährdet. Damit es dazu gar nicht erst kommt, solltest Du die Reifen optimal lagern.

Sofern Du das Motorrad überwinterst, sollte es von UV-Strahlung ferngehalten werden. Außerdem ist es ratsam, die Maschine nicht auf den Reifen abzustellen. Sofern das Motorrad mit einem Hauptständer ausgestattet ist, sollte dieser auch verwendet werden. Weiterhin solltest Du Wert auf Trockenheit und geringe Temperaturen legen. Wenn Du nur die Reifen lagerst, solltest Du darauf verzichten, die Pneus aufeinander zu stapeln. Auf Dauer kann sich durch den Druck eine Verformung bilden, die nicht mehr verschwindet.

Wann ist eine Reifenreparatur möglich?

Bild Motorradreifen von hinten Eine Reparatur des Reifens ist nur möglich, wenn die Flanke nicht beschädigt ist.

In ungünstigen Fällen kann es auch zu einer Beschädigung der Reifen kommen, beispielsweise weil Du durch einen Nagel gefahren bist. Sofern es sich um einen Reifen handelt, der noch ein hohes Profil aufweist, solltest Du eine Reparatur des Reifens in Betracht ziehen. Die Voraussetzung dafür ist eine Beschädigung auf der Lauffläche des Reifens und nicht an der Flanke. Außerdem darf ein gewisser Durchmesser der Beschädigung nicht überschritten werden - sonst lehnen auch qualifizierte Fachwerkstätten eine Instandsetzung ab. Außerdem darf nicht jeder Reifen repariert werden, der Geschwindigkeitsindex sorgt für weitere Einschränkungen - Hochgeschwindigkeitsreifen dürfen nicht mehr repariert werden, weil hier die Belastung zu hoch ausfällt.

In jedem Fall muss die Schaltstelle durch einen Fachbetrieb beurteilt werden, und auch die Instandsetzung darf nur mit entsprechender Qualifikation vorgenommen werden. Wenn Du diese Dinge beachtest, darfst Du dich auf eine neue Motorradsaison freuen - sofern Du beim Einfahren Vorsicht walten lässt. Neue Reifen sollten die ersten 200 km vorsichtig bewegt werden, damit die fertigungsbedingte Schutzschicht abgetrieben wird.

 

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