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Antiquitäten-Ratgeber

Ölgemälde - Geschichte und Techniken

Grafik Ölgemäde Ölgemälde sind sehr zeitaufwendige und anspruchsvolle Kunstwerke. (Einfach klicken zum Vergrößern)

Alte Schätze im Schrank

Oft findet man bei Haushaltsauflösungen, Erbschaften oder Entrümpelungen auf dem Dachboden oder in der letzten Ecke eines Schrankes ein Ölgemälde aus vergangenen Zeiten. Hinter jedem dieser Kunstwerkte kann sich eine wertvolle Antiquität verstecken. Die Ölmalerei gilt nämlich als eine der edelsten und anspruchvollsten Maltechniken. Die Herstellung eines Ölgemäldes ist sehr zeitintensiv, da alleine das Trocknen mehrere Monate in Anspruch nehmen kann. Charakterisisch für Ölbilder ist ihre Linienführung und der intensive Farbeindruck. Die Farben erscheinen in allen Farbnuancen und sind mehrschichtig aufgetragen. Auch die Plastizität der Bilder macht sie außergewöhnlich. Die Öle in den Farben gewinnen beim Aushärten an Volumen, da sie durch die Aufnahme von Sauerstoff oxidieren. Diese Dreidimensionalität wird beim Aushärten wieder abgebaut, was zu charakteristischen Rissen in den Gemälden führen kann. Mit modernen Techniken können solche Risse aber inzwischen vermieden werden. Allgemein haben Ölfarben den Vorteil, dass sie besonders unempfindlich gegenüber Licht sind und deshalb über Jahrhunderte erhalten bleiben.
Nicht selten stoßen Kunstkenner über Kleinanzeigen auf wertvolle Bilder.

So entsteht ein Ölgemälde

In der klassischen Malerei wurde zuerst eine Risszeichnung erstellt, die dann auf die Bildfläche, entweder eine weiß grundierte Schieferholztafel oder eine Holztafel, die mit dünnem Leinenstoff bestpannt wurde, übertragen wurde. Diese sogenannte Schattenform wurde mit Eitemperafarbe, z.B. Siena, Ultramarin oder Schwarz oder der heutzutage gebräuchlichen Japantusche hergestellt. Danach wird das Gemälde mit einer durchscheinenden Lasur aus Harzölfarbe lasiert. Anschließend werden deckende schwarze und ockerfarbene Ölfarben aufgetragen und mit Weißhönung bearbeitet. Weißhönung bedeutet hierbei das Spiel mit Licht und Schatten. Mit weißer Tempera wird das Licht aufgemalt, und sorgt so für Plastizität und Dreidimensionalität im Gemälde. Verstärkt wird dieser Effekt durch viele verschiedene Farbschichten, die nach und nach aufgetragen werden. Der Altmeister Tizian trug im 16. Jahrhundert sogar bis zu 150 Schichten auf.


Bild Überlagernde Ölfarben Ölfarbe wird dick und sich mehrfach überlagernd auf die Leinwand aufgetragen.

Anschließend werden farbenfrohe Farblasuren in Öl- oder Öl-Harz-Farbe auf das Bild aufgetragen. Dies geschieht zum Teil in mehreren Schichten, solange bis die gewünschte Plastizität erreicht ist. Das Bild muss anschließend vollständig trocknen, was über sechs Monate dauern kann. Dabei kann das Bild liegen oder stehen, solange nichts die Oberfläche berührt. Dann wird mit Leinöl ein Firnis aufgetragen und das Gemälde muss daraufhin 4 bis 5 Tage trocknen. Heute ist der Firnis auch fertig angemischt mit Kunstharzen erhältlich. Er kann mit dem Pinsel aufgetragen oder aufgesprüht werden. Dabei kann der Maler selbst entscheiden, ob er glänzenden, matten oder seidenmatten Firnis auf sein Gemälde aufträgt. Der Firnis soll das Gemälde konservieren und vor Schäden wie Rissen, Vergilben oder der Einwirkung von Staub und Sonne schützen.

Im Anschluss werden die einzelnen Formpartien mit der gewünschten Farbe behandelt. Diese Formpartien müssen jedes Mal trocknen, bevor eine neue Farbschicht aufgetragen werden kann. Es darf also nur sehr sparsam mit der Farbe gearbeitet werden um keine Formpartien abzudecken. Je kräftiger die Untermalung ausgearbeitet wurde, umso einfacher ist es die folgenden Farbschichten aufzubringen. So entsteht Farbschicht für Farbschicht das Ölgemälde.

Trocknen und Lasuren

Da jede einzelne Malschicht zuerst trocknen muss, bis weitergearbeitet werden kann, kann sich das Malen eines Bildes in dieser zeitaufwendingen Technik über Jahre hin erstrecken. Je mehr Farbschichten, desto langsamer trocknet die Ölfarbe. Bei sehr dicken Farbschichten kann das Trocknen sogar Monate dauern. Die lange Trocknungszeit hat aber auch Vorteile. Kleinere Fehler können einfach und langanhaltend ausgebessert werden.

Bei der Vermischung von Form und Farbe wird die Ton-in-Ton-Technik angewendet. Hierbei wird auf bereits farbigem Grund, meist einer Erdfarbe, gearbeitet. Die Umrisse werden mit dunkler Erdfarbe oder farbigem Grau aufgemalt und müssen danach erstmal trocknen. Dann wird mit der Weißhöhung aus Eitempera begonnen. Die weiße Farbe ist hierbei schon eingetönt. So kann das Farbspiel der Lokalfarben durch Untermischen von Rot, Blau, Gelb etc. bestimmt werden. Dann wird ein farbiger Zwischenfirnis im Grundton aufgetragen. Am Ende schließlich wird mit farbigen Lasuren lasiert. Bei der häufig verbreiteten Primamalerei wird sofort mit dem Auftragen der Farblasur begonnen, wobei das Mischen der Farben auf einer getrennten Palette erfolgt. Diese Technik wird jedoch hauptsächlich von wahren Könnern angewandt, da man falsch aufgetragene Farbschichten nicht wieder korrigieren kann. Außerdem gibt es noch die Mischtechnik, bei der verschiedene Bindemittel verwendet werden und wird hauptsächlich in Europa verwendet.

Farben und Ölgehalt

Bild Ölfarben auf Palette Ölfarben lassen sich leicht vermischen, um völlig unterschiedliche Farbnuancen zu erhalten.

Heute gibt es verschiedene Malmittel, mit denen man den Trocknungsprozess der Ölfarbe verkürzen oder noch weiter hinauszögern kann. Um den Trocknungsprozess zu verkürzen, können Harze oder Oxidationsbeschleuniger hinzugemischt werden. Mit Malölen wie Lein, -Hanf- Mohn-, oder Walnussöl bleiben die Farben noch länger nass. Mit Terpentinöl können Farben lediglich aufbereitet oder verdünnt, jedoch nicht ihre Trocknungszeit verändert werden. Tierische Öle sollten auf keinen Fall eingemischt werden, da sie die Trocknung komplett verhindern können.

Diese Hilfsmittel sind vor allem dann von Vorteil, wenn man ein sehr großflächiges Ölbild machen möchte oder mit der Nass-auf-Nass-Technik arbeitet. Dabei wird in die noch nasse Ölfarbe hineingemalt. Um Risse oder poröse Farbflächen zu verhindern, sollte mit dem Grundsatz "fett auf mager" gemalt werden. Besonders ölhaltige Farben werden dabei immer auf die weniger öligen Farben aufgetragen. Die Umkehrung des Prinzips kann zu Rissen in der Farbschicht führen, weshalb sie vor allem dann angewandt wird, wenn ein Bild alt erscheinen soll.

Bei Ölgemälden wird normalerweise mit dem Hintergrund begonnen und jede einzelne Farbschicht bis zum Vordergrund nach und nach aufgetragen. Für Hintergrundfarben wird deshalb eine wenig ölhaltige Farbe benutzt da sie schneller trocknet. Hier sind nämlich keine Details nötig und die Farben werden eher großflächig aufgetragen. Für vordergründige Malerei wird Farbe mit hohem Ölanteil benutzt, die eine längere Trocknungszeit besitzt. So können alle Details, die den Charakter des Bildes ausmachen noch lange korrigiert und bearbeitet werden. Dabei muss aber beachtet werden, dass sich Ölfarben sehr leicht vermischen können. Dies ergibt zwar viele verschiedene Farbnuancen, kann aber auch zu ungewollten Farbwechseln führen.

Ölgemälde säubern

Da Ölgemälde in der Regel nicht von Glas geschützt werden, kann es bei längerer Lagerung zu Verschmutzungen kommen. Dabei können sich Schmutzschichten durch Staub, Zigarettenrauch oder andere Dämpfe auf der Bildoberfläche ablagern. Alte und wertvolle Gemälde sollten grundsätzlich von einem Fachmann gereinigt werden. Dabei wird nämlich meist der verschmutzte Firnis mit Terpentin entfernt und völlig neu aufgetragen. Weniger wertvolle Gemälde kannst Du mit einfachen Mitteln säubern, wenn du das Risiko einer eventuellen Beschädigung in Kauf nimmst. Mit dem weichen Inneren eines Weißbrotes kann der Schmutz ganz leicht und ungefährlich abgetragen werden. Hierfür musst Du das Brot vorsichtig über das Bild reiben. Da es trocken ist, bleiben keine Rückstände auf dem Bild zurück.


Bild Weißbrot in Scheiben Mit dem weichen Inneren eines Weißbrotes kann ein Gemälde ganz einfach gereinigt werden.

Scharfe oder ammoniakhaltige Reinungsmittel sollten keinesfalls zur Reinung verwendet werden. Auch das feuchte Abwischen kann das Bild nach und nach zerstören. Um das Bild vor erneuter Verschmutzung zu bewahren und die Farben wieder erstrahlen zu lassen, sollte anschließend eine Schutzschicht aufgetragen werden. Streiche hierfür mit einem weichen, fusselfreien, in Leinöl getränktem Tuch vorsichtig über das Gemälde. Alternativ kannst Du das Bild auch mit einem speziellen Firnis bepinseln oder besprühen. Dies macht das Gemälde länger haltbar und schützt es vor UV-Strahlen.

 

 

Wie erkennt und bewertet man Ölgemälde?

Echte Ölgemälde erkennt man an einer Farbbrillianz, die mit keiner anderen Maltechnik erreicht werden kann. Ganz normal sind bei sehr alten Ölgemälden auch Risse, die über das Bild verteilt sind oder ein gelblicher Gilbschleier. Dies ändert jedoch nichts am Wert des Gemäldes, da dieses natürlich von einem Fachmann restauriert werden kann, und dadurch seinen ursprünglichen Wert wieder erreicht. In der Ölmalerei herrscht eine strikte Trennung von Form und Farbe, was dazu führte, dass sich auch surrealistische Künstler wie Salvador Dalí dafür begeistern konnten.

Für den Wert eines Gemäldes werden mehrere Faktoren herangezogen. Hierzu zählen Details zum Alter des Bildes und des Künstlers. Außerdem die Maße des Gemäldes, die Art der Farben, das Material, auf dem das Bild erstellt wurde, der Rahmen und dessen Holzart. Auch eventuelle Schäden und Verunreinigungen spielen eine Rolle. Den endgültigen Wert kann aber immer nur ein professioneller Gutachter bestimmen, der das Gemälde und alle Details inspiziert hat. Lesen Sie weiter im Ratgeber "Antiquitäten: echtes Kunstwerk oder wertvolle Fälschung?", wenn Sie sich über die Provenienz Ihres Gemäldes sicher sein wollen.

 

Ölgemälde können Jahrhunderte alt sein. In jedem Exemplar steckt ein hoher Zeit- sowie Materialaufwand und viel Geschick. Durch seine Farben und Farbschichten hat ein Ölgemälde an der Wand nicht nur eine besondere Wirkung, es kann auch über ein Leben lang erhalten bleiben. So ist es nicht nur schön anzusehen sondern auch eine Investition in die Zukunft.

 

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