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Qualzucht bei Hund & Katze: An diesen Merkmalen erkennst Du sie

Mops und Sphynx-Katze als Beispiele für Qualzucht-Merkmale bei Hund und Katze Oft sieht man es nicht, wenn Katzen oder Hunde leiden. Qualzucht zu erkennen, braucht einen geschulten Blick.

Kein Tier soll wegen seines Aussehens leiden. Manche Rassen sind aber genau dafür gezüchtet – kurze Schnauze, Glubschaugen, kein Fell, faltige Haut. Was uns niedlich vorkommt, bedeutet für das Tier oft ein Leben mit Schmerzen, Atemnot oder ständigen Tierarzt-Besuchen. Das nennt man Qualzucht.

In diesem Ratgeber zeigen wir Dir, woran Du Qualzucht-Merkmale erkennst – und worauf Du beim Kauf achten solltest. Wir machen klar, was auf markt.de nicht erlaubt ist. Und falls Du schon ein Tier mit so einem Merkmal hast: keine Sorge, dafür haben wir auch einen Abschnitt.

Wichtig: Wir unterscheiden zwischen Zucht und Halten. Anzeigen, in denen Tiere mit Qualzucht-Merkmalen angeboten werden, sperren wir. Wer schon ein solches Tier zu Hause hat, findet weiter unten Tipps zur Pflege – und keinen erhobenen Zeigefinger.

Was ist Qualzucht?

Als Qualzucht gilt ein Tier, dem Merkmale angezüchtet wurden, unter denen es leidet. So definiert es das deutsche Tierschutzgesetz (§ 11b TierSchG). Typische Beispiele sind verkürzte Schnauzen oder absichtlich winzig gezüchtete Tiere. Auch der Tierschutz selbst steht seit 2002 als Staatsziel im Grundgesetz.

Der Begriff Qualzucht klingt streng – fast so, als würde jemand absichtlich quälen. Das ist aber selten der Fall. Viele Halter wissen vor dem Kauf gar nicht, dass ihr Wunsch-Tier zu einer problematischen Zucht gehört. Der Tierpathologe Prof. Achim Gruber (FU Berlin) spricht deshalb lieber von Defektzucht – um niemandem böse Absichten zu unterstellen.

Warum gibt es Qualzucht?

Influencer mit Mops als Beispiel für Mode-Trends, die Qualzucht fördern Für Klicks und Likes nehmen manche Influencer Qualzucht in Kauf – in den sozialen Medien wächst aber auch eine Gegenbewegung.

Wir wollen Tiere, die niedlich aussehen – große Augen, runde Gesichter, kleine Größen. Das nennt sich Kindchenschema: Was an ein Baby erinnert, finden wir süß. Werbung und Social Media verstärken den Effekt: Promi-Hunde, Insta-Katzen, knuffige Werbe-Möpse. Je extremer der Look, desto mehr Aufmerksamkeit.

Wie schnell so ein Trend kippt, zeigt die Vergangenheit: Als Paris Hilton in den 2000er-Jahren ihren Chihuahua Tinkerbell zur Handtaschen-Beigabe machte, landeten kurz darauf mehr Chihuahuas in britischen Tierheimen als jemals zuvor. Die Internet-Berühmtheit Grumpy Cat war ein anderes Beispiel: Ihr grimmiges Gesicht verdankte sie einem Gendefekt – alt wurde sie nicht.

Das Problem: Genau diese Merkmale sind oft die kranken. Eine kürzere Schnauze bedeutet weniger Platz zum Atmen. Ein winziger Körper bedeutet schwache Knochen. Wer auf Optik züchtet, züchtet die Probleme oft mit. Und wer auf Optik kauft, hält den Markt am Laufen.

Mehrere deutsche Tierärzte-Verbände haben deshalb gemeinsam an Werbetreibende appelliert, nicht weiter mit Möpsen, Bulldoggen oder Perserkatzen zu werben – bisher mit mäßigem Erfolg.

Qualzucht-Merkmale: woran Du sie erkennst

Manche Qualzucht-Merkmale sind auf den ersten Blick erkennbar (zu kleine Schnauze), andere zeigen sich erst bei genauerem Hinschauen (Knochenprobleme bei Faltohr-Katzen). Wir gehen die wichtigsten sieben Merkmale durch. Bei jedem findest Du:

  • was das Merkmal ist und welche Probleme es verursacht
  • typisch betroffene Rassen (Beispiele, nicht abschließend)
  • worauf Du achten solltest
  • was markt.de dazu sagt

Eine Rasse, die in unserer Liste fehlt, kann trotzdem betroffen sein. Es zählt das Merkmal, nicht der Name. Wenn ein Tier eines der beschriebenen Merkmale hat, gelten die Hinweise gleichermaßen.

Verkürzte Schnauze (Kurzkopf-Rassen)

Hunde und Katzen mit sehr kurzen Schnauzen wirken niedlich – das große Gesicht, die kleine Nase, die runden Augen. Genau das ist aber das Problem: Mit der Schnauze wurden auch die Atemwege verkürzt. Viele dieser Tiere bekommen schwer Luft, schnarchen schon im Liegen, überhitzen beim Spielen, und manche kollabieren bei Hitze.

Rasse Tierart Häufige Folgen
Mops Hund Atemnot, Augenprobleme, Hitzeintoleranz
Französische Bulldogge Hund Atemnot, Hautentzündungen, Probleme bei der Geburt
Englische Bulldogge Hund Atemnot, Skelettprobleme, sehr häufig Kaiserschnitt
Boxer Hund Atemnot, Hitzeintoleranz
Pekinese Hund Atemnot, Augenvorfall möglich
Perserkatze Katze Augenausfluss, Atemprobleme, Probleme beim Fressen
Britisch Kurzhaar (extreme Linien) Katze Atemprobleme, Augenprobleme

Beispiel: Mops

Mops gilt als typisches Beispiel für Qualzucht unter Hunden Am Mops scheiden sich die Geister. Dabei geht es weniger um die Rasse als um die Züchtung.

Der Mops mit seiner kurzen Schnauze, seinen Glubschaugen und Atemproblemen wird gerne als das Symbol schlechthin für Qualzucht gesehen. Der verkürzte Gesichtsschädel zieht viele Probleme nach sich, die unterschiedlich stark ausgeprägt sein können (hervortretende Augen, zu kurze Augenlider, zu enge Nasenlöcher, zu langes Gaumensegel, schmale Luftröhre, kleiner Kehlkopf, Zahnfehlstellungen).

Im schlimmsten Fall ist der Mops ohne Operation nicht lebensfähig und schon bei normalen Tätigkeiten wie Spazierengehen und Spielen drohen Erstickungsanfälle und Herzattacken.

Auch hier muss die konkrete Züchtung betrachtet werden. Wenn ein Mops nicht extrem überzüchtet wurde, kann er durchaus gesund sein. Die Rückzüchtung zu dieser Urform wird „Retro-Mops“ genannt.

Beispiel: Französische Bulldogge

Französische Bulldoggen sind in den Medien sehr präsent und werden von vielen Menschen begehrt. Dabei hat über die Hälfte der kurzköpfigen Hunde schwere gesundheitliche Probleme. Durch die kurze Schnauze und die zu kleine Nase bekommen viele Bulldoggen nicht genug Luft und können bei Hitze, beim Rennen und Spielen überhitzen und kollabieren.

Wenn Deine Französische Bulldogge schnell außer Atem gerät, ständig schnarcht, röchelt, Schlafprobleme hat und nur mit erhöhtem Kopf schläft, solltest Du dringend zum Tierarzt gehen, um seine Lebensqualität zu verbessern.

Neben diesen gesundheitlichen Problemen kommen auch Entzündungen der Augen, Ohren und der Haut bei Französischen Bulldoggen besonders häufig vor. Zudem haben die Tiere Schwierigkeiten bei Schwangerschaft und Geburt.

Beispiel: Englische Bulldogge

Gegen Qualzucht bei Hunden helfen neue Rassestandards der English Bulldog 2009 wurden neue Standards verabschiedet, die die Gesundheit der Englischen Bulldogge in den Vordergrund rücken.

Bei der Englischen Bulldogge wurde laut Forschern Inzucht betrieben. Von nur etwa 68 Tieren stammen alle heute lebenden Englischen Bulldoggen ab. Dadurch haben die Hunde viele gesundheitliche Probleme, ähnlich wie Mops und Französische Bulldogge. Neben Augen-, Atemwegs- und Zahnproblemen leiden Englische Bulldoggen vermehrt an Hüftgelenksdysplasie – etwa 70 Prozent sind betroffen, keine andere Hunderasse häufiger. Bei Extremzüchtungen der Rasse liegt eine Qualzucht vor.

Eine Studie aus dem Jahr 2010 zeigt das Ausmaß: Über 80 Prozent der Welpen können nicht auf natürliche Weise das Licht der Welt erblicken und müssen per Kaiserschnitt geholt werden, da sie einfach zu groß für den Geburtskanal sind.

Beispiel: Perserkatze

Perser sind extrem kurznasige Tiere, die uns oft in der Werbung begegnen. Diese Kurzköpfigkeit geht mit einer Verkürzung des Oberkiefers, einer Verengung der Atemwege und der Tränennasenkanäle einher.

Achte auf das Auftreten von Atemproblemen, Augenausfluss, Augeninfektionen und Probleme beim Essen.

Lange Zeit waren bis zu 40 Prozent aller Perser von einer Erbkrankheit der Nieren betroffen, die zu Nierenversagen und Tod führen kann. Durch Gen-Tests in der Zucht ist die Zahl heute geringer – bei nicht-getesteten Linien bleibt das Risiko aber hoch. Häufig gibt es zudem Probleme bei Schwangerschaft und Geburt, sodass es vermehrt Totgeburten und Kaiserschnitte gibt.

Auf einen Blick: Schnarcht das Tier ständig? Bekommt es bei kurzen Spaziergängen schwer Luft? Hat es ständig tränende oder rote Augen? → Tierarzt fragen, was zu tun ist.

Auf markt.de: Das Inserieren dieser Rassen ist grundsätzlich erlaubt. Wir bitten Dich aber dringend, keine extrem überzüchteten Linien zu kaufen. Manche Züchter arbeiten gezielt daran, die Schnauzen wieder länger werden zu lassen – das nennt sich z. B. „Retro-Mops“. Frag beim Züchter konkret danach.

Haarlosigkeit

Haarlose Rassen wie die Sphynx-Katze oder den Chinesischen Schopfhund findet man immer öfter. Die nackte Haut sieht außergewöhnlich aus – viele Käufer glauben sogar, das Tier wäre besonders pflegeleicht. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall. Ohne Fell verlieren diese Tiere ihren natürlichen Schutz vor Kälte, Sonne und Wasser. Ihnen fehlen oft auch Tasthaare – das sind die feinen Haare an Schnauze und Augen, mit denen sich Katzen und Hunde orientieren. Manchmal fehlen sogar Wimpern. Das macht das Leben schwer.

Rasse Tierart Häufige Folgen
Sphynx Katze Kälte- und Sonnenempfindlich, hoher Kalorienbedarf, oft fehlende Tasthaare
Peterbald Katze Wie Sphynx, je nach Linie verschieden stark
Donskoy Katze Ähnliche Probleme wie Sphynx
Chinesischer Schopfhund Hund Sonnenbrand, Hautprobleme, Zahnprobleme häufig
Xoloitzcuintle (Mexikanischer Nackthund) Hund Hautprobleme, Sonnenbrand
Peruvian Hairless Dog Hund Hautprobleme, Sonnenbrand
American Hairless Terrier Hund Hautprobleme, Sonnenbrand

Beispiel: Sphynx

Sphynxkatzen sind haarlos. Selbst Wimpern und Tasthaare können den Tieren fehlen. Dadurch mangelt es ihnen an wichtigen Schutzmechanismen: Die Augen sind schlecht geschützt, Orientierung und Kommunikation leiden.

Die Haarlosigkeit führt zudem zu Temperaturproblemen. Damit die Tiere nicht unterkühlen, müssen sie ständig Wärme generieren und haben dadurch einen erhöhten Kalorienbedarf. Ohne Fell steigt auch das Risiko für Sonnenbrand.

Beispiel: Chinesischer Schopfhund

Diese Hunde haben am Körper kaum Fell – nur Kopf, Pfoten und Schwanz tragen Haare. Daher der Name. Die nackte Haut bekommt schnell Sonnenbrand und reagiert empfindlich auf Kälte. Viele dieser Hunde haben außerdem Zahnprobleme, weil das Gen für die Haarlosigkeit oft auch die Zähne betrifft. In Wohnungen mit Heizung müssen sie zusätzlich vor trockener Heizungsluft geschützt werden. Wer einen solchen Hund hält, übernimmt eine besondere Pflege-Verantwortung – Sonnencreme, Pullover, regelmäßige Tierarzt-Checks.

Auf einen Blick: Hat das Tier rote Hautstellen, Sonnenbrand-Spuren oder schuppige Haut? Friert es sichtbar in Räumen, in denen Du Dich wohl fühlst? Hat es Probleme beim Fressen oder beim Orientieren in der Dunkelheit? → Tierarzt anrufen.

Auf markt.de: Haarlose Rassen sind in den Tier-Kategorien nicht erlaubt – weder Hunde noch Katzen. Die fehlenden Tasthaare und der fehlende Fell-Schutz gelten als klare Qualzucht-Merkmale. Anzeigen, die haarlose Rassen anbieten, werden gesperrt. Mehr dazu in unseren Nutzungsbedingungen und im Ratgeber zu Anzeigensperrungen in Tierkategorien.

Extremer Zwergwuchs

Manche Rassen werden bewusst auf extrem klein gezüchtet. Im Werbe-Bild sieht das süß aus: ein Hund, der in eine Teetasse passt. In Wirklichkeit haben diese Tiere oft schwache Knochen, ein zu großes Herz für ihren Körper und eine kürzere Lebenserwartung.

Rasse Tierart Häufige Folgen
Teacup-Hunde (allgemein) Hund Herzprobleme, Knochenbrüche, kurze Lebenserwartung
Chihuahua (extreme Mini-Linien) Hund Offene Schädeldecke, Patella-Luxation, Herzklappenfehler
Teacup-Pomeranian / Mini-Spitz Hund Wie Teacup-Hunde
Teacup-Yorkshire Terrier Hund Wie Teacup-Hunde

Beispiel: Teacup-Hunde

Teacup Chihuahuas sind eine Form der Qualzucht von Hunden Wem der Hund nicht klein genug sein kann, wäre mit einem Hamster vermutlich besser bedient.

Teacup-Hunde sind klein gezüchtete Zwerghunderassen. Um möglichst kleine Nachkommen zu produzieren, werden nur die kleinsten und schwächsten Tiere verpaart. Im Extremfall passt der Nachwuchs in eine Teetasse, daher der Name Teacup. Solche Züchtungen haben sehr viele gesundheitliche Probleme und oft eine kurze Lebenserwartung.

Teacup“ ist kein anerkannter Rassetyp, sondern ein Verkaufsbegriff für besonders winzig gezüchtete Tiere. Der Deutsche Tierschutzbund stuft solche Zuchten klar als Qualzucht ein – etwa wenn ein ausgewachsener Hund oder eine ausgewachsene Katze unter 1,5 kg wiegt oder typische Folgeschäden zeigt: Wasserkopf, eine offene Fontanelle (eine nicht verwachsene Lücke im Schädel), brüchige Knochen oder Herzfehler.

Beispiel: Chihuahua

Chihuahuas gelten als kleinste Hunderasse der Welt. Aufgrund ihrer geringen Größe haben sie jedoch zahlreiche gesundheitliche Probleme: offene Schädeldecke, Patella-Luxation, Hüftgelenkserkrankungen, Herzklappenfehler.

Generell ist die Rasse offiziell anerkannt. Der FCI-Standard (der internationale Hundezucht-Verband) nennt ein Idealgewicht von 1,5 bis 3 kg und schließt nur zu schwere Tiere (über 3 kg) aus – vor der extremen Verkleinerung nach unten schützt er also nicht. Genau da liegt das Problem: Bei den Mini- und Teacup-Linien ist Vorsicht geboten, wenn ein ausgewachsener Chihuahua unter 1,5 kg wiegt.

Aufgrund der vielen gesundheitlichen Probleme der Rasse brauchen Chihuahuas regelmäßige tierärztliche Kontrollen. Bei Symptomen wie Husten, Hecheln und Schlappheit ist das Herz oft schon krankhaft vergrößert.

Auf einen Blick: Wirkt der Hund auffallend zerbrechlich? Hechelt oder hustet er, ohne sich anzustrengen? Wirkt er apathisch oder schnell erschöpft? → zum Tierarzt.

Auf markt.de: Extrem klein gezüchtete Tiere – vor allem die „Teacup“- und „Mini“-Linien – fallen unter unser Qualzucht-Verbot und werden gesperrt. Frag im Zweifel nach dem Gewicht der ausgewachsenen Elterntiere.

Skelett- und Knorpelschäden

Manche Tiere sehen niedlich aus, weil etwas an ihrem Körper „anders“ ist: hängende Ohren, kurze Beine, ein gebogener Rücken. Was wir als Stilmerkmal sehen, ist oft eine Mutation der Knochen oder Knorpel – und die zieht sich durch den ganzen Körper. Diese Tiere haben häufig lebenslange Schmerzen in Gelenken und Wirbelsäule.

Rasse Tierart Häufige Folgen
Scottish Fold (Faltohr) Katze Knochen- und Knorpelschäden im ganzen Körper, lebenslange Schmerzen
Munchkin Katze Verkürzte Beine, hohes Risiko für Lordose, Gelenkprobleme
Känguru-Katze Katze Stark verkürzte Vorderbeine, kann nur hoppeln

Beispiel: Scottish Fold (Faltohr-Katze)

Scottish Fold gilt als Qualzucht bei Katzen Wirklich ein Grund, geknickt zu sein: Lebenslange Qualen, weil jemand Faltohren niedlich fand.

Die Faltohr-Katze gilt als Qualzucht, weil die gefaltete Ohrmuschel durch eine schwere Erbkrankheit zustande kommt, die auch Knochen- und Knorpelschäden im ganzen Körper verursacht.

Scottish Fold haben oft lebenslange Schmerzen und müssen aufgrund von Skelettmissbildungen vorzeitig eingeschläfert werden. Entzündungen der Ohren sind ebenfalls keine Seltenheit. Außerdem sind Ohren für Katzen enorm wichtig – nicht nur zum Jagen, sondern auch zur Kommunikation. Faltohr-Katzen wird diese Möglichkeit verwehrt.

Das Bundesministerium für Landwirtschaft empfiehlt schon seit 2005 ein Zuchtverbot. Bei den großen Katzen-Zuchtverbänden (etwa GCCF in Großbritannien und FIFe international) sind Faltohr-Katzen nicht als Rasse anerkannt.

Beispiel: Munchkin-Katze

Munchkin-Katzen haben extrem verkürzte dackelartige Beine. Sie können zwar springen, aber bei Weitem nicht so hoch wie andere Katzen – Klettern und Jagen sind ebenfalls erschwert. Hinzu kommt ein erhöhtes Risiko für Lordose, eine Wirbelsäulen-Verkrümmung, die das Leben deutlich verkürzen kann.

Klar ist: Diese Züchtung macht sich einen Gendefekt zunutze. Bevor Du Dich für so eine Katze entscheidest, frag Dich ehrlich, ob das ungewöhnliche Aussehen das Leid wirklich wert ist. Mehr zu rasse-typischen Gesundheitsrisiken findest Du in unserem Katzen-Gesundheits-Ratgeber.

Beispiel: Känguru-Katze

Bei den Känguru-Katzen sind speziell nur die Vorderbeine extrem unterentwickelt. Deswegen kann die Katze nur hoppeln – das Tier leidet also. Teilweise müssen die Gliedmaßen komplett amputiert werden. Ursächlich ist ein Gendefekt. Eine gezielte Vermehrung stellt eine Qualzucht dar.

Auf einen Blick: Bewegt sich die Katze steif? Springt sie kaum noch? Streckt sie sich auffällig oder vermeidet bestimmte Haltungen? → zum Tierarzt – Schmerzen sind bei Katzen oft schwer zu erkennen.

Auf markt.de: Tiere mit solchen Skelett- und Knorpelschäden dürfen bei markt.de nicht inseriert werden – auch wenn die Rasse hier nicht namentlich steht. Scottish Fold und Munchkin sind nur ausdrückliche Beispiele.

Mischungen mit Wildtieren

Manche neue Rassen entstehen dadurch, dass jemand ein Wildtier mit einer Hauskatze oder einem Haushund kreuzt. Das Ergebnis sieht exotisch aus – wirft aber Probleme auf, die mit normalen Haustieren nichts zu tun haben: andere Bedürfnisse, anderes Verhalten, oft Komplikationen schon bei der Geburt.

Rasse Tierart Häufige Folgen
Savannah (frühe Generationen) Katze Wildkatzen-Bedürfnisse, Verhaltensprobleme, Geburtskomplikationen
Bengal (frühe Generationen) Katze Wildkatzen-Anteile in den ersten Generationen problematisch
Hybride aus Wolf und Hund Hund Wolfs-Verhalten in Familien-Haltung kaum kontrollierbar

Beispiel: Savannah-Katze

Bengalkatzen sind meist gesund und trotzdem nicht unumstritten Die Tiere sind meist gesund, doch der Prozess der Zucht kann qualvoll sein.

Hybridkatzen entstehen, wenn Wildkatzen mit Hauskatzen verpaart werden. Savannah-Katzen sind eine Kreuzung aus Serval (einer afrikanischen Wildkatze) und Hauskatze, Bengale eine Kreuzung aus einer asiatischen Wildkatze und einer Hauskatze.

Weil Hybridkatzen etliche Eigenschaften der Wildkatzen aufweisen, entwickeln sie in heimischer Haltung oft Verhaltensprobleme. Die Jungtiere solcher Paarungen sind um ein Mehrfaches größer als normale Hauskatzen, wodurch es zu Komplikationen bei Schwangerschaft und Geburt kommt. Viele Muttertiere überleben es nicht. Außerdem sind männliche Zuchttiere steril, wodurch immer wieder Wildkater eingekreuzt werden müssen.

Die Einstufung als Qualzucht hängt stark davon ab, in welcher Generation die Kreuzung mit einer Wildkatze erfolgte. Indem die Tiere nur untereinander gepaart und artgerecht (viel Bewegungsfreiraum) gehalten werden, kann Leid vermieden werden.

Auf einen Blick: Ist das Tier sehr unruhig, jagt überall, lässt sich kaum streicheln? Zerstört es Wohnungseinrichtung, weil ihm der Auslauf fehlt? Es lebt vermutlich in der falschen Umgebung.

Auf markt.de: Hybridkatzen sind nur ab der 5. Generation (F5) zugelassen – also wenn der Wildkatzen-Anteil schon deutlich verdünnt ist. Frühe Generationen (F1-F4) sind nicht erlaubt.

Inzucht

Bei manchen Rassen sind alle heute lebenden Tiere die Nachkommen von sehr wenigen Vorfahren. Wenn nahe Verwandte miteinander gepaart werden, vererben sich Krankheiten verstärkt. Das nennt man Inzucht – und das ist ein Hauptgrund, warum manche Rassen krank sind, ohne dass Du es äußerlich gleich sehen kannst.

Auf markt.de: Inzucht können wir einer Anzeige nicht ansehen – anders als ein sichtbares Qualzucht-Merkmal. Deshalb prüfen wir sie nicht aktiv. Frag den Züchter selbst, wie groß der Zuchtstamm ist und ob beide Elterntiere auf die typischen Erbkrankheiten der Rasse getestet wurden. Seriöse Züchter beantworten das offen.

Pigment- und Erbgutprobleme

Manche Rassen sehen besonders aus, weil mit ihrem Erbgut etwas Spezielles gemacht wurde: ein bestimmtes Fellmuster, eine seltene Farbe, eine ungewöhnliche Mischung. Was als Schönheit verkauft wird, hängt oft mit Augenkrankheiten, Taubheit oder Nervenproblemen zusammen.

Rasse Tierart Häufige Folgen
Merle-Hunde (z. B. Australian Shepherd, Border Collie), wenn beide Eltern Merle Hund Taubheit, Augenfehler, Pigmentstörungen
Weiße Perserkatzen Katze Erhöhtes Risiko für Taubheit, Augenprobleme, Hauttumore
Türkische Angora (weiß) Katze Wie weiße Perser
Russian White Katze Wie weiße Perser
Pomsky Hund Unkontrollierte Mischung Husky × Pomeranian – unvorhersehbare Erbprobleme

Beispiel: Merle-Hunde

Das Merle-Gen sorgt für ein gesprenkeltes Fell-Muster. Solange nur ein Elternteil das Gen trägt, ist das meist unproblematisch. Werden aber zwei Merle-Hunde miteinander verpaart, leiden die Welpen häufig an Taubheit und Augenfehlern. Die Verpaarung zweier Merle-Hunde ist daher als Qualzucht verboten. Das Problem: Nicht jeder Hund mit Merle-Gen sieht auch danach aus – unbewusste Verpaarungen kommen vor.

Beispiel: Weiße Perserkatzen

Bei weißen Perserkatzen besteht ein erhöhtes Risiko für Taubheit. Auch bei den Rassen Türkische Angora und Russian White führt eine weiße Fellfärbung häufig zu Schwerhörigkeit oder gar Taubheit. Das verantwortliche Gen führt ebenfalls zu krankhaften Veränderungen an den Augen (Schielen, Augenzittern, Netzhautveränderungen). Zudem neigen weiße Katzen zu Hauttumoren.

Beispiel: Pomsky

Als Kreuzung aus Zwergspitz (engl.: Pomeranian) und Husky können Gene beider Elternrassen zum Problem werden. Im Einzelfall ist es schwer vorherzusagen, welche Gene ein Pomsky erben wird. Zu den häufigen gesundheitlichen Problemen, die bei den Elternrassen vorkommen, zählen:

  • Herzinsuffizienz
  • Krampfanfälle
  • Katarakt (Augen)
  • Hüftdysplasie, Patella-Luxation
  • Hypothyreose
  • kollabierende Luftröhre
  • Alopezie

Auf einen Blick: Reagiert das Tier nicht auf Geräusche? Schielt es? Hat es ungewöhnliche Hautstellen? Krampft es manchmal? → zum Tierarzt.

Auf markt.de: Tiere aus problematischen Verpaarungen werden im Einzelfall gesperrt. Frag den Züchter, ob beide Elterntiere auf Erbkrankheiten getestet wurden – seriöse Züchter zeigen die Testergebnisse.

Was tut markt.de gegen Qualzucht?

Wir wollen, dass Tiere auf markt.de gut vermittelt werden – nicht zur Ware werden. Deshalb gibt es klare Regeln, was in den Tier-Kategorien angeboten werden darf.

Diese Tiere dürfen auf markt.de nicht inseriert werden:

  • Tiere mit Merkmalen der Qualzucht (z. B. haarlose Rassen)
  • Tiere mit kupierten Ohren oder Schwanz, durchtrennten Stimmbändern oder entfernten Krallen / Zähnen (Ausnahme: jagdliche Nutzung nach § 6 TierSchG)
  • Tiere, die jünger als 12 Wochen sind
  • Welpen oder Kitten, bei denen das Muttertier nicht besichtigt werden kann
  • Tiere, die sich außerhalb von Deutschland oder der Schweiz befinden

Vollständige Liste in unseren Nutzungsbedingungen.

Wenn Du eine Anzeige aufgibst, die so ein Merkmal hat, prüfen wir das. Im Zweifel sperren wir die Anzeige. Was dann passiert und wie Du den Kundenservice erreichst, steht im Ratgeber zu Anzeigensperrungen in Tierkategorien.

Was Du beim Kauf tun kannst

Wenn Du Dir ein Haustier zulegen willst, gibt es ein paar einfache Dinge, die Du fragen und prüfen kannst. Du brauchst dafür kein Tiermedizin-Studium.

  • Schau das Muttertier an. Wenn der Verkäufer das nicht vor Ort zeigen kann, lass die Finger davon. Bei seriösen Anbietern ist das selbstverständlich.
  • Frag nach Bewegung und Atmung. Können die Eltern problemlos einen längeren Spaziergang machen, ohne zu röcheln? Wirken sie wach und gesund?
  • Lass Dir die Tierarzt-Papiere zeigen. Impfpass, Gesundheitscheck, Untersuchungen auf rasse-typische Erbkrankheiten. Wer keine Papiere hat oder Ausreden findet, ist kein seriöser Züchter.
  • Frag nach dem Zuchtverein. Seriöse Zuchtvereine kontrollieren ihre Mitglieder, prüfen die Gesundheit der Eltern und stellen Zuchterlaubnisse einzeln aus. Eine Mitgliedschaft ist ein gutes Zeichen.
  • Sei skeptisch bei sehr niedrigen Preisen. Rassetiere kosten Geld – ein Hunde-Welpe vom seriösen Züchter liegt meist deutlich über 1.000 Euro, eine Rassekatze in der Regel bei mehreren Hundert Euro. Wird ein Rassetier auffällig billig angeboten, stammt es oft aus zweifelhaften Quellen (siehe Welpen-Sicherheitshinweise).
  • Denk an die Versicherung. Manche Tierkrankenversicherungen schließen Qualzucht-Rassen aus oder verlangen deutliche Aufpreise. Frag das vor dem Kauf bei Deiner Versicherung an – sonst zahlst Du später jede Operation komplett selbst.
  • Überleg auch das Tierheim. Im Tierheim findest Du häufig auch Rassetiere – und tust gleichzeitig was Gutes.

Tipp: Mehr zu Welpenkauf und unseriösen Anbietern findest Du in den Sicherheitshinweisen beim Welpen- und Hundekauf. Allgemeines zum Tierschutz auf markt.de im Tierschutz-Ratgeber.

Du hast bereits ein betroffenes Tier – was jetzt?

Vielleicht hast Du beim Lesen gemerkt: Mein Tier hat eines dieser Merkmale. Bitte mach Dir keine Vorwürfe – viele Halter wussten beim Kauf nichts davon. Wichtig ist jetzt, dass Du gut für Dein Tier sorgst.

  • Geh zum Tierarzt – am besten zu einem, der sich mit der Rasse auskennt. Frag konkret nach Atemwegen, Augen, Gelenken und Herz, je nach Rasse. Eine Untersuchung jährlich, bei älteren Tieren öfter.
  • Achte auf die Symptome aus den Boxen oben. Wenn etwas davon auftritt, wart nicht ab.
  • Pass die Lebensbedingungen an. Bei kurzen Schnauzen: keine Hitze, keine langen Wanderungen. Bei haarlosen Tieren: Sonnencreme, Pullover bei Kälte. Bei Faltohr-Katzen: bequeme Schlafplätze, schonendes Spielen.
  • Versicherung prüfen. Falls noch nicht versichert: vergleichen, was Deine Rasse abdeckt. Manche Versicherungen schließen genau diese Rassen aus – dann lohnt sich ein Notgroschen.
  • Verhindere, dass Dein Tier Nachwuchs bekommt. Lass es kastrieren, statt mit ihm zu züchten – sonst verbreitest Du die gleichen Probleme weiter.

Bei Fragen zur Pflege oder zu rasse-typischen Problemen helfen Dir Dein Tierarzt, das nächste Tierheim oder der Deutsche Tierschutzbund.

Fazit

Qualzucht ist ein Problem, bei dem viele eine Rolle spielen – vor allem aber Käufer und Verkäufer.

Achte auf Merkmale, nicht nur Rassennamen. Frag, bevor Du kaufst. Und wenn Du schon ein Tier mit so einem Merkmal hast: gute Pflege macht den größten Unterschied.

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